18.01.19 | Berufliche Weiterbildung 4.0: Der Schlüssel zur neuen Arbeitswelt

„Den größten Teil dessen, was wir wissen, haben wir alle außerhalb der Schule gelernt. Schüler lernen das meist ohne ihre Lehrer und häufig trotz diesen.“ Ivan Illich

 

Alle Bereiche unserer Lebens- und Arbeitswelt werden durch die Digitalisierung grundlegend verändert, die auch völlig neue Anforderungen an Arbeitnehmer stellt. In Zukunft werden technologische Fähigkeiten, digitale Grundfertigkeiten (agiles Arbeiten, Digital Learning, Digital Ethics) und klassische Fähigkeiten (Problemlösungsfähigkeiten, Eigeninitiative, Resilienz) immer wichtiger. Diese Entwicklung hat auch vielfältige Auswirkungen auf Berufe und die erforderlichen Qualifikationen von Arbeitnehmern. Lebenslanges Lernen wird deshalb immer wichtiger.

„Lernen ist das Ergebnis wirksamer Teilnahme in sinnvoller Umgebung.“ Maximilian Probst

Der Begriff lebenslanges Lernen mag ermüden, doch sollte er nicht gleich verworfen werden, weil er zu häufig genutzt wird. Das Konzept wird gebraucht, um die Probleme der Gegenwart und Zukunft richtig zu meistern. Dazu muss der Begriff – wie Nachhaltigkeit – allerdings mit Leben gefüllt und auch soziokulturell statt nur ökonomisch verankert werden. Auch die Hochschul- sowie die betriebliche Aus- und Weiterbildung müssen sich auf die Entwicklung und die veränderte Bedarfssituation anpassen. Da niemand genau weiß, welche Qualifikationen in den nächsten Jahren gefragt sind, sollten die Angebote auf ein möglichst breites Fundament gestellt werden.

 

Das Qualifizierungschancengesetz macht 2019 zum Jahr der Weiterbildung, die vor allem in jenen Berufsfeldern gefragt ist, die dem digitalen Wandel unterliegen, aber auch in Engpass-Berufen (Baugewerbe, gesundheits- und Krankenpflege, Elektro- und Automatisierungstechnik). Dabei übernimmt die Bundesagentur für Arbeit nicht nur einen Teil der Weiterbildungskosten, sondern entlastet den Arbeitgeber auch von der Lohnfortzahlung. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will mit dem Qualifizierungschancengesetz die Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei unterstützen, den digitalen Wandel richtig zu meistern. So werden nach den Berechnungen der Bundesregierung bis 2025 rund 1,3 Millionen Arbeitsstellen wegen Automatisierung und Rationalisierung wegfallen, dafür aber 2,1 Millionen neue Stellen geschaffen werden. Finanziert werden sollen die Pläne mit den Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit. Für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind 2019 rund 10 Milliarden Euro vorgesehen, wovon ein großer Anteil in aktive Weiterbildungsförderung fließen soll.

 

Mit dem Gesetz können Beschäftigte und deren Arbeitgeber noch umfangreicher bei Qualifizierungsmaßnahmen finanziell unterstützt und mit ihrer Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsberatung bzw. Weiterbildungsberatung begleitet werden. Die Arbeitgeber sollen auf diese Weise von besser geschulten Arbeitskräften profitieren können, andererseits werden die Arbeitskräfte so krisensicherer. „Wie wichtig eine fortlaufende Weiterbildung ist, wissen wir nur zu gut. Denn sie nützt am Ende gleich mehreren Beteiligten: Arbeitnehmern, weil sie durch neue Fähigkeiten und Fertigkeiten einen sicheren und interessanten Arbeitsplatz bekommen oder erhalten können, Arbeitgebern, weil gut ausgebildete Mitarbeiter das größte Kapital eines Unternehmens sind sowie der Gesellschaft, weil möglichst viele Menschen mit einer sicheren und guten Stelle das gesamte System stabilisieren“, sagt Lars Kroll, Marketingleiter bei karriere tutor®.

 

Das Team aus renommiertem Dozenten und Tutoren, Karriereberatern und Experten berät und begleitet Menschen im Bereich der beruflichen Weiterbildung. War der Zugang zu ihrer Förderung bisher vor allem bestimmten Gruppen vorbehalten, öffnet das neue Qualifizierungschancengesetz die Qualifizierung nun für mehr Menschen.

 

Am Beispiel von karriere tutor® zeigt sich besonders deutlich, dass sich der Begriff Weiterbildung heute nicht mehr nur auf traditionelle Fortbildungen bezieht, bei denen sich Mitarbeiter und Führungskräfte mit einem Kursleiter in einem offiziellen Lernort (Seminarraum) versammeln. Es gibt informelle Orte des Lernens – zum Beispiel dort, wo man gerade ist oder sein will.

 

Das Wichtigste zum Qualifizierungschancengesetz von A bis Z:

Jeder hat künftig einen ANSPRUCH auf eine fachliche Beratung zur beruflichen Weiterbildung. Zwar gibt es nach wie vor keinen Rechtsanspruch auf eine Weiterbildung und der AZAV-Bildungsgutschein bleibt eine Kann-Leistung, aber die Barrieren zur Förderung der beruflichen Qualifizierung werden deutlich reduziert.

 

Wie hoch die BETEILIGUNG ausfällt, hängt von der Unternehmensgröße ab. Folgende Richtwerte existieren derzeit:

< 10 Beschäftigte = 100 % Übernahme der Kosten

10 – 25 Beschäftigte = 25 % Übernahme der Kosten

bis zu 250 Beschäftigte + Weiterbildungen von Mitarbeitern über 45 oder schwerbehindert = bis 100 % Übernahme der Kosten

 

GEFÖRDERT werden sollen alle ArbeitnehmerInnen, deren Berufsabschluss mindestens vier Jahre zurückliegt und die nicht innerhalb der letzten vier Jahre an einer mit öffentlichen Mitteln geförderten Weiterbildung teilgenommen haben. Die Weiterbildung muss mindestens vier Wochen dauern und von einem externen, zugelassenen Anbieter durchgeführt werden.

 

KURZZEITBESCHÄFTIGTEN soll es erleichtert werden, Arbeitslosengeld I zu beziehen.

 

Bei JOBVERLUST ist es künftig leichter, Arbeitslosengeld I zu erhalten: Bisher musste dafür innerhalb von zwei Jahren mindestens zwölf Monate in die Versicherung eingezahlt werden. Ab Januar 2020 reichen zwölf Monate innerhalb von 30 Monaten.

 

Wer sich weiterbilden lassen will, muss sich an zwei STELLEN wenden: an die Bundesagentur für Arbeit – und die Vorgesetzten, die Weiterbildungsmaßnahmen auf unterschiedliche Weise unterstützen können: Weiterbildungsangebote im Unternehmen bereitstellen,    Mitarbeiter für die Dauer der Maßnahme von der Arbeit freistellen, flexible Arbeitszeitregelungen anbieten, Arbeitnehmern die Weiterqualifikation bezahlen oder sie dabei finanziell unterstützen.

 

In welchem UMFANG die Unternehmen unterstützt werden, ist abhängig von der jeweiligen Betriebsgröße. Außerdem beteiligt sich die Bundesagentur für Arbeit an den Lohnfortzahlungen für Mitarbeiter, die eine Weiterbildung machen.

 

Weiterbildungen zeigen Mitarbeitern nicht nur neue Perspektiven auf – es ist auch eine Form von Wertschätzung, denn sie spüren, dass der Vorgesetzte bereit ist, in sie und ihre Aus- beziehungsweise Weiterbildung nachhaltig zu investieren.