Auswirkungen von Arbeit 4.0: Und plötzlich lernen wir von Robotern

Arbeit 4.0 Lernen von Robotern

Wie sehen die Auswirkungen von Arbeit 4.0 im beruflichen Alltag von Beschäftigten aus? Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus, der stark durch Digitalisierung geprägt ist? Ja, was ist Arbeit 4.0 eigentlich – ein Schlagwort, das überall in den Medien auftaucht und die Debatten zum Standort Deutschland zunehmend prägt? Wir wollen in diesem Blogbeitrag versuchen, dieses komplexe Thema etwas aufzubohren, um besser zu verstehen, was da in den kommenden Jahren auf uns zukommt.

Das Grünbuch des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Thema „Arbeiten 4.0 aus dem Jahr 2015 unterteilt die Entwicklung der Industriegesellschaft in vier entscheidende Phasen. Diese Unterteilung ist hilfreich, um den Unterschied besser zu verstehen zwischen dem heutigen Arbeiten 4.0 und seinen historischen Vorläufern in den Versionen 1.0, 2.0 und 3.0.

Von Arbeit 1.0 bis Arbeit 4.0

Arbeit 1.0 bildet den Beginn der Industriegesellschaft Ende es 18. Jahrhunderts. Plötzlich prägten Dampfmaschinen und mechanische Produktionsanlagen die Herstellung von Gütern. Der mechanische Webstuhl ersetzt den bisher üblichen hölzernen Webrahmen, Werkzeugmaschinen die Schmiedearbeit von Hand. Waren und Güter werden über die neu gebauten Eisenbahnlinien transportiert oder über den Seeweg in entfernter liegende Regionen und Länder.

Mit Arbeit 2.0 startet die Massen -und Serienproduktion von Gütern. Henry Ford verfeinert zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Prinzip der Fließbandproduktion. Durch die Einführung eines permanenten Fließbands erhöht sich in seinen Werken die Produktion von Automobilen um das Achtfache. Mit dieser enormen Steigerung der Produktivität senkt er die Preise seiner Fahrzeuge so weit, dass sich plötzlich ein großer Teil der Bevölkerung erstmals ein Fahrzeug leisten kann.

Mit Arbeit 3.0 beginnt eine erste Welle der Automatisierung von Produktionsprozessen. Digitale Informationstechnologien und Elektronik halten Einzug in die Unternehmen. 1970 werden bei Mercedes-Benz erstmals Industrieroboter eingesetzt. Die Speicherung von Daten in Computersystemen erfolgt nicht mehr auf Lochkarten, sondern auf elektronischen Speichermedien. Die Speicherkapazitäten erhöht sich rasant ebenso wie die Fähigkeit zur Informationsverarbeitung. Erstmals wird Datenmanagement zu einem Top-Thema für Unternehmen. Die Weltwirtschaft rückt zunehmend zusammen und die erste Phase der Globalisierung der Produktion beginnt.

Arbeit 4.0: Jetzt sind wir in der Gegenwart angelangt. Heute werden Produktionsprozesse und einzelne Produktionsschritte zunehmend miteinander vernetzt. Wir können die großen Veränderungsprozesse bereits an Schlüsseltechnologien sehen, an denen intensiv gearbeitet wird. Dazu zählt die Robotik, autonomes und automatisiertes Fahren, die Herstellung komplexer Produkte per 3-D-Drucker, die Drohnentechnologie zur automatischen Auslieferung von Waren, aber auch der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie Cloud-Anwendungen und Big Data. Die ersten Auswirkungen von Arbeit 4.0 zeichnen sich bereits deutlich ab.

von überall arbeiten

Gefragt ist Flexibilität

Mit Arbeit 4.0 verändert sich die Arbeitswirklichkeit von uns allen. Durch unsere digitalen Devices und den Zugang zu Unternehmensdatenbanken per Cloud können wir von überall aus arbeiten. Per Skype, Messangerdiensten und digitalen Kollaborationsplattformen wie Sharepoint sind wir weltweit miteinander verbunden. Mobiles Arbeiten, Teilzeitarbeit, Home-Office entwickeln sich zentralen Merkmal dieser neuen Arbeitswelt. Auswirkungen von Arbeit 4.0 spüren wir vor allem an der immer stärkeren Flexibilisierung der Arbeit. Der Trend dabei: Auf unsere Arbeit wird künftig dann zurückgegriffen, wenn Unternehmen sie tatsächlich benötigen. Die Arbeit findet zunehmend projektbezogen statt. Konkrete Arbeitsplatzbeschreibungen werden überflüssig, da sich die Anforderungen und Tätigkeitsmerkmale je nach Aufgabe schnell ändern können. Wichtig werden vielmehr Können, Fertigkeiten, Qualifikation und Wissen der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und die konkrete Anwendung auf spezifische und genau definierte Projektaufgaben. Im IT-Bereich durchaus üblich: Über Crowdworking-Plattformen werden heute schon Arbeitspakete außerhalb eines Unternehmens offen vergeben. Für die Firmen eine attraktive Chance, Outsourcing zu betreiben und Leistungen preisgünstig einzukaufen. Für IT-Leute wiederum eine Chance, auch fern der großen Wirtschaftszentren und in völlig anderen Regionen dieser Welt an Aufträge zu kommen und von dort aus zu bearbeiten. Dass solche hochflexibilisierten Arbeitsformen starke Rückwirkungen die Gesellschaft und die Sozialsysteme haben, dürfte sich schnell erschließen. Das Spannungsfeld für Arbeitnehmer – oder besser Auftragnehmer – ist vorgezeichnet: hohe Selbstbestimmung auf der einen Seite bei gleichzeitiger Einkommensunsicherheit auf der anderen Seite. Wie unsere Gesellschaft durch diese neuen Arbeitsformen ein stabiles Rentensystem finanzieren will, ist eine interessante Anschlussfrage.

Auswirkungen von Arbeit 4.0: Routinearbeiten fallen weg

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen und Merkmal der typischen Auswirkungen von Arbeit 4.0: Die Automatisierung von Arbeitsprozessen schreitet rasant voran. Maschinen steuern sich künftig selbst. Neue Berufsbilder entstehen, klassische Berufsfelder wie beispielsweise die Buchhaltung werden plötzlich nicht mehr benötigt, da Buchungsvorgänge per Software automatisch stattfinden. Aber auch das bekannte Berufsfeld des Wareneingangsprüfers ist nicht mehr notwendig, wenn alle Waren mittels Funkerkennung über einen RFID-Transponder vom Herstellungs- bis zum Empfangsort lückenlos nachverfolgt und dokumentiert werden können. Das lästige und aufwändige Zählen und Inventarisieren entfällt, bei vielen großen Textilherstellung übrigens heute schon Standard. Der Einsatz von digitalem High-Tech führt unweigerlich zu Rationalisierungsprozessen: In Japan hat der Lebensversicherer Fukoku Mutual Life Insurance im vergangenen Jahr (2017) bekannt gegeben, dass er in seiner Zahlungsabteilung 30 Prozent der Mitarbeiter durch den Einsatz künstlicher Intelligenz ersetzen will. Ihre Arbeit, dazu zählt das Einlesen von Ärzteberichten oder die systematische Ablage von Operationsdaten, übernimmt künftig das Watson-System des amerikanischen Unternehmens IBM. Perspektivisch soll Watson auch überprüfen, ob die Auszahlungen an die Versicherten korrekt verlaufen. In der ersten Phase betreffen die Auswirkungen von Arbeit 4.0 also vor allem Routinearbeiten, die auf standardisierten Vorgängen und Daten beruhen. Diese fallen zunehmend weg – und zwar branchenübergreifend. Welche Berufsfelder davon betroffen werden, wird momentan heiß diskutiert. Das Spektrum geht vom mittleren Management bis weit in Sektoren, in denen ein eher niedrigeres Qualifikationsniveau erforderlich ist wie beispielsweise Lkw- oder Taxifahrer.

Zusammenarbeiten im Projekt

Exzellentes Prozess- und Projektmanagement-Know-how gefragt

Im nächsten Schritt von Arbeit 4.0 wird die künstliche Intelligenz à la Watson eigenständig Empfehlungen aussprechen oder sogar Entscheidung treffen. Durch die Verarbeitung von riesigen Datenmengen in Echtzeit können dies Entscheidungen in vielen Fällen präziser und mit einer geringeren Fehlerquote getroffen werden, als wenn diese ein einzelner Mensch treffen müsste – so lautet das Versprechen, das Unternehmen und zahlreiche Manager mit der neuen Arbeitswirklichkeit verbinden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir in Zukunft eine weitere Spreizung der Arbeitsgesellschaft haben. Auf der einen Seite betreuungsintensive soziale Tätigkeit wie im Krankenhaus oder in der Pflege, die nach wie vor sehr stark nach dem klassischen Modell funktionieren. Das heißt, mit einem hohen Bedarf an persönlicher Präsenz und mit starren Arbeitszeiten verbunden. Auf der anderen Seite hochqualifizierte Tätigkeiten wie Programmierer, Data Scientists, Mobile Developper, Software-Entwickler oder Content-Manager. Hier finden sich auf der einen Seite echte Spezialisten zusammen. Eine Studie der Boston Consulting Group geht von 1 Million Arbeitsplätzen aus, die allein in Deutschland im Bereich IT- und Datenanalyse neu entstehen.

In der Arbeitswelt von morgen werden aber auch gut geschulte Generalisten gebraucht, die verstärkt fachlich übergreifend zusammenarbeiten. Damit sie in ihren Berufen erfolgreich sind, müssen sie bestes Prozess- und Projektmanagement Know-how besitzen sowie über eine sehr gute Branchenkenntnis verfügen, um bedarfsgerechte Lösungen zu entwickeln. Diese kenntnisreichen Allrounder müssen in der Lage sein, sich in ihren Projekten in schneller Zeit mit wechselnden Kompetenzen einzubringen. Das verlangt von ihnen lebenslanges Lernen und hervorragende Soft-Skills, um mit unterschiedlichsten Arbeitssituationen und Kulturen klarzukommen und sich sicher in wechselnden Arbeitskontexten sicher zu bewegen. Auch hier zeigen sich die Auswirkungen von Arbeit 4.0 deutlich: Nur wer sich selbst permanent weiterentwickelt und weiterbildet, hält Schritt.

Kollege Roboter

Ein letzter Aspekt, der die Arbeitswelt 4.0 heute schon prägt aber in Zukunft noch wichtiger wird, betrifft die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Das Schlagwort vom „Kollegen Roboter“ trifft diesen Veränderungsprozess recht gut. Künftig werden wir es mit sogenannten „Cobots“ (Collaborative Robots) zu tun haben, die gemeinsam mit menschlichen Kolleginnen und Kollegen an Werkstücken arbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Diese neue Robotergeneration ist mit sogenannten selbstoptimierten Algorithmen ausgestattet bzw. per Internet mit großen Datenbanken verbunden. Und sie sind in der Lage, von ihren menschlichen Kollegen zu lernen und mit der Zeit hochkomplexe Tätigkeit auszuführen. Vielleicht wird es per Spracherkennung schon bald möglich sein, direkt mit ihnen zu sprechen und mit ihnen die beste Herangehensweise zu diskutieren, sodass der Lernprozess auch auf Seiten von uns Menschen gefördert wird. Klingt das in Ihren Ohren wirklich noch unrealistisch? Es gibt Unternehmen, in denen das heute schon Alltag ist. Diese Unternehmen sind natürlich innerhalb ihrer Branche ausgeprägte Innovatoren. Aber wenn die Experimente erfolgreich sind, bilden sie Blaupause für viele andere Unternehmen, die unweigerlich nachziehen werden.

DAS BESTE VOM BLOG PER NEWSLETTER ERHALTEN

Über karriere tutor® 212 Artikel
karriere tutor® möchte Menschen an jedem Arbeitsplatz der Welt beruflich erfolgreich und glücklich machen. Ein Team aus hervorragend geschulten Dozenten und Tutoren, Karriereberatern und Experten für berufliche Weiterbildung berät und begleitet seine Kunden ganzheitlich auf dem Weg zur beruflichen Erfüllung.