Lean Six Sigma: Wie Sie mit zwei Methoden maximale Prozessverbesserung erzielen

Lean Six.Sigma

Eine kontinuierliche Prozessverbesserung gehört heute zu den wichtigsten Zielen eines Unternehmens. Wir möchten Ihnen in diesem Artikel vorstellen, wie Sie mit Lean Six Sigma, einer Kombination aus den Ansätzen des Lean Managements und Six Sigma, eine effiziente Methodenkombination für Ihr Unternehmen generieren können. Ihr Wissensvorteil, um heute konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Was ist Lean Management?

Lean Management zielt darauf ab, Prozesse im Unternehmen zu verschlanken und gleichzeitig eine permanente Kundenorientierung im gesamten Wertschöpfungsprozess zu erzielen. Dies ist wichtig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Besonders bei hohem Wettbewerb kann der Kundennutzen gerade daraus entstehen, dass das Unternehmen so effizient wie möglich arbeitet und diese Effizienz zum Beispiel in Form von Zeitersparnis oder Schnelligkeit an den Kunden weitergeben kann.

Der Lean-Ansatz ist eine der KVP-Managementmethoden, die einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) anstreben. Ähnliche Ansätze sind beispielsweise die Total Productive Maintenance (TPM) oder KAIZEN. Die Methode entstand aus der Lean Production, die seit den 90er-Jahren die Produktion in der Automobilbranche effizienter gestalten sollte. Mit Lean Management löste sich der aus Japan stammende Ansatz von der Automobilbranche ab und wird seitdem branchenübergreifend genutzt.

Bei der Verwendung dieser Methode wird zunächst definiert, welche Aufgaben und Prozesse im Unternehmen zur Wertschöpfung beitragen. Diese werden sodann im Lean Management fokussiert. Interessant dabei: „Beim Lean Management gibt es keine speziellen Lean-Management-Teams, sondern der Ansatz wird vom Einzelnen in den verschiedenen Teams eines Unternehmens umgesetzt.“ erklärt Lin Müller, Dozent für Lean Management bei karriere tutor®.

 

4 Merkmale schlanker Prozesse

Schlanke („lean“) Prozesse zeichnen sich durch vier Merkmale aus:

  • Störungsfreiheit

Die zentralen Produktions- und Geschäftsabläufe sollen störungsfrei sein. Grundsätzlich wird eine Null-Fehler-Quote angestrebt.

  • Fluss

Der Wertstrom soll im Fluss bleiben. Informationen, Leistungen und Inhalte sollen also fließen und auf direktem Wege weitergegeben werden.

  • Takt

Ein System soll im Takt arbeiten. Ein ständig fließender Wertstrom und miteinander synchronisierte Abläufe machen ein System leistungsfähiger.

  • Pull-Prinzip

Aufgaben sollen im laufenden Prozess von einem Schritt in den nächsten fließen. Sie werden nicht durch Planungsvorgaben in einen Prozess gebracht.

Wichtige Basismethode im Lean Management ist die sogenannte 5-S-Methode. Die 5 S stehen für:

  • Sortieren
  • Setzen und anordnen
  • Sauberkeit
  • Standardisierung
  • Selbstdisziplin

Sie sollen vor allem Qualität, Ordnung und Effizienz am Arbeitsplatz ermöglichen. Anwender der Methode ordnen jedem Gegenstand einen festen Platz zu und erleichtern durch standardisierte Abläufe am Arbeitsplatz die laufende Produktion.

 

Was ist Six Sigma?

Auch bei Six Sigma sollen alle Wertschöpfungsvorgänge fehlerfrei sein. Es geht darum, die unternehmenseigene Effizienz zu erhöhen, Kosten zu reduzieren und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Dozent Lin Müller erklärt: „Das Ziel von Six Sigma ist es, Varianten, also Abweichungen vom Mittelwert, zu vermeiden. Lean Management fokussiert sich eher auf die Reduzierung von Verschwendung vorhandener Ressourcen.“ Laut Definition soll mittels Six Sigma eine Fehlerfreiheit von 99,99996 % erreicht werden.

Gute Prozesse im Sinne von Six Sigma bedeuten:

  • Keine fehlenden Teile in der Produktion
  • Kein Mitarbeiterausfall
  • Hohe Kundenzufriedenheit
  • Höchste Produktivität

Es gibt verschiedene Anwendungsbereiche, zum Beispiel die Administration oder die Logistik, wo nach dem Just-in-Time-Prinzip erst dann produziert und vertrieben wird, wenn eine Nachfrage besteht, und nicht mehr vorab. Lagerbestände und Puffer werden abgebaut oder minimiert.

Alle Projekte, die mit Six Sigma realisiert werden, folgen dem DMAIC-Zyklus, der sich aus fünf Phasen zusammensetzt:

  • Define: Das Problem wird zunächst definiert und das Ziel festgelegt.
  • Measure: Fehlerursachen werden abgeschätzt und relevante Messwerte definiert.
  • Analyse: Die Ursache des Problems wird ermittelt.
  • Improve: Lösungen werden entwickelt und Verbesserungsmaßnahmen implementiert.
  • Control: Die implementierten Verbesserungsmaßnahmen werden auf ihren Erfolg hin kontrolliert.

Sind diese fünf Phasen durchlaufen, endet ein Six-Sigma-Projekt.

 

Abgrenzung von Lean Management und Six Sigma

Unternehmen, die mit Six Sigma arbeiten, bilden spezielle Projektteams, die unter der Leitung eines Green Belts oder Black Belts am kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) arbeiten. Diese Teams ermöglichen es, mithilfe von Six Sigma auch umfangreiche Veränderungen anzustoßen, um dem Unternehmen eine größere Effizienz und Abgrenzung zum Wettbewerb zu ermöglichen. Der klassische Six-Sigma-Ansatz nutzt dabei den Lösungsansatz des „DMAIC-Zyklus“, während das Lean Management mit dem „Pull-Prinzip“ und der „Wertstromanalytik“ arbeitet.

Experte Lin Müller weiß: „Während beim Einsatz von Lean Management meist kleine Verbesserungen und schnelle Lösungen gesucht werden, fokussiert sich der Six-Sigma-Ansatz auf die beste Lösung und große Verbesserungsschritte.“ Je nachdem, in welchem Umfang also ein Unternehmen interne Vorgänge optimieren möchte, eignet sich Lean Management oder Six Sigma besser.

Um die Abgrenzung zwischen Six Sigma und Lean Management zu verdeutlichen, hilft es, sich die wichtigsten Ziele beider KVP-Methoden anzusehen:

Abgrenzung zwischen Six Sigma und Lean Management

 

Praxisbeispiel Lean Management vs. Six Sigma

Die Unterschiede zwischen Lean Management und Six Sigma lassen sich gut am Beispiel eines Flugs von Zürich nach Nürnberg veranschaulichen. Nach den Anforderungen des Lean Managements wird die Flugreise für den Kunden daraufhin untersucht, in welchen Situationen Verschwendungen in der Wertschöpfung auftauchen. Bei Six Sigma liegt der Fokus auf der Störungsfreiheit. Der Prozess wird im Detail nach Fehlern durchsucht, wobei eine Null-Fehler-Toleranz angestrebt wird. Das Beispiel verdeutlicht, dass hierbei für jeden Prozessschritt entsprechende Ziel-Kennzahlen definiert sein müssen, da die Streuung sonst nicht exakt berechnet werden kann. Bei der Lean-Analyse wird die Verschwendung als Zeitverlust ausgedrückt, der für den Reisenden durch die Wartezeiten entsteht.

Fluggrafik

Lean Six Sigma: Kombination beider Ansätze

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Lean und Six Sigma zu kombinieren. Six-Sigma-Tools aus der Improve- und Control-Phase, die oben bereits genannt wurden, können Sie zur Unterstützung nutzen. Das sind beispielsweise die kriterienbasierte Auswahl als Entscheidungsanalyse-Tool oder das QC-Prozess-Chart.

Umgekehrt sind auch Lean-Tools wie die Wertstromanalyse (Value Stream Mapping) im Six-Sigma-Projekt einsetzbar. Etwa in der Analyse-Phase und wenn es darum geht, Kanban-Systeme einzuführen. Zur Verknüpfung von Six Sigma und Lean rät Experte Lin Müller Folgendes: „Lean Six Sigma ist nicht nur eine Methode einzelner Prozesse, sondern die Philosophie einer kontinuierlichen Verbesserung insgesamt. Deshalb ist es entscheidend, dass Lean Six Sigma als fester Bestandteil in die gesamte Unternehmensstrategie integriert wird.“

Auch wenn die Lean-Six-Sigma-Implementierung eine große Herausforderung für Ihr Unternehmen darstellt, lohnt sich die Verknüpfung von Lean Management und Six Sigma sehr. Sie haben die Chance, Ihre Erträge zu erhöhen, Lieferzeiten zu verkürzen und die Zufriedenheit der Kunden zu steigern. Enorme Vorteile, die Sie kennen sollten, wenn Sie darüber nachdenken, wie und wo Sie optimieren können.

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Über Lin Müller 2 Artikel
Lin Müller ist Diplom-Ingenieur, zertifizierter Six Sigma Blak Belt und Lean Management Master und weiß aus seiner beruflichen Praxis als Produktions- und Werksleiter, worauf es beim Verbesserungsmanagement ankommt und was gute Prozesse brauchen, um wirklich zu funktionieren. Als Dozent gibt er sein Fachwissen heute an seine Teilnehmer weiter und hilft diesen beim nächsten beruflichen Schritt im Bereich Prozessmanagement.