Bilanzkennzahlen – Wie Controller eine Bilanz analysieren

Die wichtigsten Kennzahlen im Controlling

Controller sollen Unternehmensprozesse planen und steuern, Budgets überwachen und Kennzahlen analysieren. Jeder weiß: Ohne Kennzahlen geht es im Controlling nicht. Doch Kennzahlen gibt es viele. Hinzu kommen jede Menge Zahlen und Statistiken aus den Fachbereichen eines Unternehmens. Und diese sollen dann am besten alle zielführend vom Controlling in der sogenannten Balanced Scorecard zusammengeführt werden. Damit sich Controller im Kennzahlen-Dschungel zurechtfinden, zeigen wir Ihnen eine praktische Herangehensweise zur Bilanzanalyse und zur Betrachtung von Bilanzkennzahlen.

Welche Kennzahlen Sie als Controller im Unternehmen auswerten, hängt von den Zielen des Unternehmens sowie der einzelnen Fachbereiche ab. Eine generelle Frage, die den Controller beschäftigt, ist häufig:

 

„Wie gut ist das Unternehmen insgesamt aufgestellt?“

Fest steht – und das werden Ihnen erfahrene Controller bestätigen können – ohne Bilanzkennzahlen wird es schwierig, dieser Frage nachzugehen. Bilanzkennzahlen sind Kennzahlen, die mit Hilfe einer Bilanzanalyse ermittelt werden. In der Bilanz werden u. a. das Anlagevermögen, das Umlaufvermögen, die Verbindlichkeiten und die Rückstellungen aufgeführt. So gibt es Kennzahlen, die die Vermögensstruktur darstellen, und andere, welche die Kapital- oder Finanzierungsstruktur widerspiegeln.

Um herauszufinden, welche dieser Kennzahlen für Ihr Unternehmen die wichtigsten sind, ist es von Anfang an wichtig, dass Sie die genauen Ziele des Unternehmens und der Fachbereiche kennen, um einen Fokus setzen zu können. Sonst sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und verliert sich schnell im Analysieren.  Wenn Ihnen z. B. wichtig ist, dass Ihr Unternehmen jederzeit seinen künftigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann, dann benötigen Sie die Kennzahlen der Liquidität. Wenn Sie daran interessiert sind, Ihre Lagerkosten zu senken, dann sollten Sie sich die Umschlagshäufigkeit Ihrer Waren der letzten Jahre genauer anschauen.

Anhand von drei für das Controlling häufig verwendeten Bilanzkennzahlen möchten wir Ihnen zeigen, wie Sie als Controller Ihre Kennzahlen gezielt auswählen und analysieren.

 

KPI: Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote dient dazu, die finanzielle Stabilität und Liquidität eines Unternehmens zu bewerten. Daher ist es auch eine wichtige Kennzahl für Controller bzw. die Geschäftsführung, wenn es darum geht, Fremdkapital aufzunehmen. Sie sagt aus, wie viel vom Gesamtkapital des Unternehmens Eigenkapital ist:

 

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital x 100

 

Dabei gibt es die weitverbreitete Regel, dass die Quote 2:1 mit zwei Anteilen Fremdkapital und einem Anteil Eigenkapital eine gesunde Kapitalstruktur abbildet. Dies entspricht einem Anteil von ca. 33 % Eigenkapital. Dann sagt man, dass ein Unternehmen gut aufgestellt ist. Allerdings hängt dieser Wert auch immer davon ab, in welcher Branche man sich bewegt. In manchen Branchen mögen 33 % Eigenkapitalquote nicht notwendig sein. Bei Banken reichen zwischen 8 und 10,5 %, da sie das Eigenkapital „nur“ brauchen, um die durch einen möglichen Kreditausfall entstandenen Verluste zu decken, um zahlungsfähig zu bleiben und um die Einlagen ihrer Kunden zu schützen.

Zum Sammeln Ihrer Kennzahlen legen Sie sich am besten zunächst eine Excel-Datei an wie in folgender Abbildung. Später können Sie sich die KPIs dann in Ihre Balanced Scorecard übertragen.

 

BEREICH ZIEL KPI
Geschäftsführung Aufnahme eines Kredits Eigenkapitalquote =

Eigenkapital / Gesamtkapital x 100

 

KPI: Umschlagshäufigkeit

Controller interessieren sich oft für das Thema „offene Forderungen“. Darunter versteht man die folgenden Punkte:

  • Wie viele Rechnungen müssen durchschnittlich im Monat beglichen werden?
  • Wie kann ich die offenen Forderungen reduzieren?
  • Nach wie vielen Tagen zahlen die Kunden durchschnittlich?
  • Gibt es einen Gap zwischen dem Zahlungsziel der Lieferantenrechnungen des Unternehmens und dem Debitorenziel (nach wie vielen Tagen zahlt der Kunde durchschnittlich)?

Wenn das Unternehmen mit SAP arbeitet, kann es sich die Daten zwar auch kundenindividuell ziehen. Aber aus der Bilanz kann man die Umschlagshäufigkeit der Forderungen ableiten und berechnen, nach wie vielen Tagen der Kunde durchschnittlich zahlt:

 

BEREICH ZIEL KPI
Forderungsmanagement

Buchhaltung

Reduzierung offener Forderungen

 

Verkürzung des Debitorenziels

Umschlagshäufigkeit der Forderungen =

(Umsatz · 1,19) / durchschnittlicher Forderungsbestand

 

Debitorenziel =

365 Tage oder 360 Tage / Umschlagshäufigkeit der Forderungen

 

Ein praktisches Beispiel:

Wenn ein Unternehmen seinen Kunden ein Zahlungsziel von 30 Tagen gewährt, die Kunden aber durchschnittlich erst nach 40 Tagen zahlen, mag das im ersten Moment nicht weiter schlimm sein. Wenn aber das Unternehmen seine Lieferantenverbindlichkeiten bereits nach 20 Tagen bezahlen muss, entsteht ein Finanzierungsloch von 20 Tagen. Dann muss das Unternehmen hinterfragen, was aktuell schiefläuft: Warum ist das so? Was können wir da tun? Hat unser Mahnwesen nachgelassen?

 

Wichtig ist der Vergleich

Wichtig ist, dass Sie Zahlen, die Sie aus der Bilanz ziehen, immer mit einem Referenzwert vergleichen, zum Beispiel zum Vormonats- oder Vorjahreswert: Im vergangenen Jahr hat der Kunde nach 30 Tagen gezahlt, in den letzten Monaten erst nach 40. Haben Sie diesen konkreten Vergleich schwarz auf weiß vor Augen, können Sie auch Schlussfolgerungen ziehen.

 

KPI: Anlagenabnutzungsgrad

Für Unternehmen, die sehr viel mit Maschinen arbeiten – wie Industrieunternehmen –, ist auch der Anlagenabnutzungsgrad als Key Performance Indicator (KPI) sehr interessant. Am Anlagenabnutzungsgrad können Controller erkennen, wie veraltet die Maschinen im Unternehmen sind. Je höher der Abnutzungsgrad, desto veralteter die Anlagen. Daraus können Sie dann für die anstehende Budgetplanung ableiten, wann Geld für neue Anlagen zurückgelegt werden muss. Wenn Sie mit Hilfe des KPIs sehen, dass die Anlagen in zwei Jahren ersetzt oder erneuert werden müssen, kann das Unternehmen dafür rechtzeitig Geld zurücklegen. So planen und wirtschaften Sie vorausschauend.

 

BEREICH ZIEL KPI
Controlling Budgetplanung Anlagenabnutzungsgrad =

 

kumulierte Abschreibungen auf Sachanlagen / Anschaffungskosten * 100 %

 

 

Die goldene Bilanzregel

Wir haben uns nun drei häufig genutzte Bilanzkennzahlen angesehen, die sich mit den Fragen beschäftigen, wie gut das Unternehmen insgesamt finanziell aufgestellt ist (Eigenkapitalquote), wie lange wir auf unser Geld warten müssen (Umschlagshäufigkeit der Forderungen) und wie veraltet unsere Sachanlagen sind (Anlagenabnutzungsgrad).

Wenn Sie aufgrund Ihrer Bilanzanalyse festgestellt haben, dass das Unternehmen neue, langfristige Sachanlagen kaufen muss, ist es für Sie wichtig, die „goldene Bilanzregel“ zu kennen.

Sie besagt, dass wenn ein Unternehmen langfristige Vermögenswerte – wie Sachanlagen – anschafft, diese auch mit langfristigem Kapital finanziert werden sollten. Langfristiges Kapital ist das Eigenkapital oder langfristiges Fremdkapital wie Darlehen mit einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Das heißt, zur Überprüfung, ob die goldene Bilanzregel in Ihrem Unternehmen eingehalten wird, müssen Sie sich mit beiden Seiten der Bilanz (Aktiva und Passiva) befassen. Hierbei handelt es sich eben um eine horizontale Betrachtung der Bilanz, welche Ihnen Aufschluss über die Finanzstruktur des Unternehmens gibt.

 

Die Balanced Scorecard – Behalten Sie den Überblick

Haben Sie zu guter Letzt die relevanten Kennzahlen sondiert, hilft Ihnen eine Balanced Scorecard dabei, die Key Performance Indicators (KPIs) stets im Blick zu haben.

Balanced-Scorecrd

Sie bildet die Ziele des Unternehmens für jeden Fachbereich mit Hilfe der KPIs in Zahlen ab und zeigt zugleich den Zielerreichungsgrad durch einen Soll-Ist-Vergleich. Jeder Fachbereich hat seine Soll-Zielzahlen. Durch die farbliche Unterscheidung der Soll-Ist-Vergleichswerte (von grün = gut über orange = mittel bis rot = schlecht) kann man auf Anhieb sehen, wo man genauer hinschauen und in welchem Bereich Optimierungen notwendig sind. So können Sie als Controller mit Hilfe der Kennzahlen-Analyse gezielt Verbesserungen im Unternehmen anstoßen. Viel Erfolg dabei!

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Über Natalija Lovric 2 Artikel
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