Stressmanagement im Advent: Entspannt in die Feiertage kommen

Stressmanagement Vorweihnachtszeit

Kaum tauchen die ersten Lichter die Städte in vorweihnachtliches Licht, steigt nicht nur die Vorfreude auf das Weihnachtsfest, sondern auch der Stresspegel der meisten Menschen. Statt stiller und besinnlicher Zeit warten Hektik und To-do-Listen. Gesundheitsmanagement-Dozentin Ramona Roch erklärt, warum uns der vorweihnachtliche Trubel so stresst und was Sie dagegen tun können.

 

Warum der Advent uns so sehr stresst

Eigentlich ist die Vorweihnachtszeit doch eine sehr besinnliche. Es duftet nach Zimt und Tanne, die Weihnachtsmärkte laden zu gemütlichem Beisammensein ein und die Vorfreude darauf, Zeit mit der Familie zu verbringen, sorgt für glänzende Augen. Doch bereits hier beginnt das Problem. Denn all die warmen Lichter, die duftenden Räume und die glänzenden Augen kommen nicht von allein. Ramona Roch, Dozentin für Gesundheitsmanagement, erklärt dazu: „Jede schöne Dekoration braucht jemanden, der sich zuvor um sie kümmert und sie anbringt. Lichterketten müssen aufgehängt und Geschenke besorgt werden. All das zusätzlich zu den regulären alltäglichen Anforderungen. Stressoren wie notwendige Erledigungen und alltägliche Routinen und Aufgaben prallen aufeinander. Das sorgt für Stress.“ Im Körper passiert bei Stress Folgendes: Wenn wir Menschen eine Situation subjektiv als gefährlich wahrnehmen, und das kann eben auch in Form erhöhter Anforderungen an uns selbst sein, schüttet das Gehirn Botenstoffe aus. „Botenstoffe an sich sind sehr positiv, denn sie aktivieren das sympathische Nervensystem und machen uns dadurch leistungsfähiger“, sagt die Expertin. Doch wenn diese Botenstoffe nicht nur kurzzeitig in einer akuten Gefahrensituation, sondern dauerhaft über mehrere Tage und Wochen ausgeschüttet werden, führt dies zu einer starken Belastung. Wir fühlen uns permanent gestresst.

 

Die größten Stressoren in der Vorweihnachtszeit

Jede Einladung zur Weihnachtsfeier, jede Erwartung an das Essen am Heiligabend und an die Geschenke für die Lieben wirkt im Advent wie ein zusätzlicher Stressor und bringt uns letztlich in eine belastende Stress-Spirale. Auch die Tatsache, dass wir überall in sozialen Netzwerken und auch im persönlichen Umfeld Menschen sehen, die gefühlt schon mehr geschafft haben als wir, verstärkt diesen Effekt. „Wenn wir zusätzlich zu den gesteigerten Anforderungen in eine ungesunde, weil sehr fett- und zuckerreiche Ernährung verfallen, schlägt sich auch das negativ auf unsere Leistungsfähigkeit nieder“, fügt Ramona Roch hinzu. Sogar wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass es gerade an Weihnachten und Neujahr zu vermehrten Fällen von Herzinfarkten kommt.

 

3 Expertentipps für entspannte Feiertage

Was aber können Sie nun tun, um in diesem Jahr weniger Stress und mehr Vorfreude auf das Fest zu verspüren? Expertin Ramona Roch teilt drei wertvolle Tipps mit Ihnen.

 

1. Physisch und psychisch innehalten

Bei all dem Trubel gibt es eine kleine, aber sehr effektive Soforthilfe, die jeder für sich nutzen kann: Innehalten. Ramona Roch empfiehlt: „Wenn Sie bemerken, dass Sie sich gestresst fühlen, weil Sie den Kopf voller Aufgaben haben, halten Sie für einen Moment an. Sowohl körperlich, indem Sie wirklich kurz stehenbleiben, als auch geistig, indem Sie sich darauf fokussieren, tief durchzuatmen. Dabei hilft es, wenn Sie für zwei bis drei Minuten tief einatmen und immer zwischen dem Ein- und Ausatmen eine kurze Pause machen. Atmen Sie möglichst länger aus, als Sie zuvor eingeatmet haben. Durch das bewusste Atemmuster und die damit verbundene Regulation von Atemrhythmus und Atemtiefe sinkt, der bei Stress meist erhöhte Puls und der Kreislauf reguliert sich wieder.“

 

2. Stress mit Humor bekämpfen

Der zweite Tipp gegen Stress in der Vorweihnachtszeit klingt amüsant. Tatsächlich hilft es aber, wenn Sie sich mitten in der Stress-Spirale kurz rausnehmen und vielleicht sogar über sich selbst lachen können. Schmunzeln Sie doch mal darüber, dass Sie wieder in die alten Stressfallen getappt sind, obwohl Sie es doch besser wissen. „Einen Schritt aus der Situation heraustreten hilft dabei, gelassener zu werden. Und lachen reduziert nachweislich die Anzahl der Stresshormone im Blut“, ergänzt die Expertin.

 

3. Pareto-Prinzip nutzen

Das Pareto-Prinzip ist eine Methode, die vor allem im Bereich des Selbstmanagements genutzt wird. Sie besagt, dass Menschen mit 20 % des Gesamtaufwandes 80 % der Ergebnisse erzielen können. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse hingegen brauchen 80 % erneuten Aufwand. Vereinfacht ausgedrückt ist also weniger manchmal mehr. Gerade in der Vorweihnachtszeit, in der Menschen so viele Ergebnisse von sich selbst erwarten. Dozentin Ramona Roch regt dazu an, die Erwartungen, die wir an uns selbst stellen, zu überdenken: „Fragen Sie sich, ob eine Aufgabe dringend oder wichtig ist. Ist sie es nicht, streichen Sie diese von Ihrer Liste. Ist sie entweder dringend oder wichtig, dann gehen Sie die Aufgabe effizient an, indem Sie sich mit 80 % des maximal möglichen Ergebnisses zufriedengeben.“ Ganz konkret auf die vorweihnachtliche Situation bezogen fragen Sie sich beispielsweise: Reicht es, wenn ich den Wohnbereich putze, oder muss auch wirklich jede Spinnwebe im Keller weg sein, wenn der Besuch kommt? Genügt es, wenn ich die Geschenke für die Kinder nett einpacke, aber eben keine aufwendige Dekoration anbringe? Achten die Kinder überhaupt darauf, oder kommt es ihnen ohnehin mehr darauf an, dass sie überhaupt etwas auspacken dürfen?

 

Erlauben Sie sich entspannte Feiertage

Letztlich ist es immer auch eine Frage des eigenen Erlaubens, wie stressig die Adventszeit und die Feiertage werden. Wenn Sie sich erlauben, nicht ganz perfekte Ergebnisse zu bekommen, und sich nicht jede denkbare Aufgabe auf die eigene To-do-Liste setzen, tun Sie bereits viel dafür, die nächste Vorweihnachtszeit deutlich entspannter zu erleben.

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