Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Deutschland 2,948 Millionen Menschen arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,3 % und damit um 0,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahr3. Es handelt sich um den höchsten Jahreswert seit 2013. Die aktuellen Arbeitslosenzahlen für 2025 und Anfang 2026 verdeutlichen diesen Trend.
Bereits 2024 war ein Anstieg zu beobachten: Damals lag die Zahl der Arbeitslosen bei rund 2,79 Millionen, die Arbeitslosenquote bei etwa 6 %. Der Aufwärtstrend setzt sich damit im zweiten Jahr in Folge fort. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist ebenfalls gestiegen und liegt im Februar 2026 bei über einer Million Personen.
Bei der Jugendarbeitslosigkeit zeigen sich zudem deutliche regionale Unterschiede, insbesondere zwischen wirtschaftsstarken Regionen und strukturschwächeren Bundesländern.
Zu Beginn des Jahres 2026 setzte sich diese Entwicklung fort. Im Februar 2026 waren 3,070 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,5 %³.
Neben der registrierten Arbeitslosigkeit gibt auch die Unterbeschäftigung Hinweise auf die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt. Im Februar 2026 lag die Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit bei 3,724 Millionen Personen3. Sie umfasst neben den offiziell Arbeitslosen auch Personen, die sich in Weiterbildungen oder Qualifizierungsmaßnahmen befinden.
Für viele Betroffene bedeutet der Anstieg der Arbeitslosigkeit zugleich einen längeren Bezug von Arbeitslosengeld.
Doch die reinen Zahlen erklären noch nicht das gesamte Bild. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit steht in einem Spannungsverhältnis zum weiterhin bestehenden Fachkräftebedarf: Während in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau und in der Automobilbranche, monatlich rund 15.000 sozialversicherungspflichtige Stellen abgebaut werden, bleiben in anderen Bereichen Tausende Positionen unbesetzt.
Im Handwerk fehlen schätzungsweise rund 200.000 Fachkräfte. Auch im Pflege- und Gesundheitswesen, in der IT, in der Kinderbetreuung sowie in technischen Berufen bestehen weiterhin erhebliche Engpässe.
Diese Entwicklung zeigt, dass der Arbeitsmarkt nicht nur ein Konjunkturproblem hat, sondern vor allem ein strukturelles Problem der Qualifikations- und Branchenstruktur.
Mehrere Faktoren tragen zu diesem Nebeneinander von Arbeitslosigkeit und offenen Stellen bei:
- Mismatch bei Qualifikationen: Die Qualifikationen arbeitslos gemeldeter Personen stimmen häufig nicht mit den Anforderungsprofilen offener Stellen überein. Besonders in technischen, digitalen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen bestehen deutliche Kompetenzlücken. Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit und des IAB zeigen, dass in vielen Engpassberufen, wie Pflege, IT-Berufen oder Ingenieurwesen, nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Arbeitslosen potenziell passend qualifiziert ist. Gleichzeitig verfügen viele arbeitslose Personen nur über Helferqualifikationen oder keinen formalen Abschluss, während der Großteil der gemeldeten Stellen Fachkräfte erfordert. Das führt dazu, dass Unternehmen trotz rund drei Millionen Arbeitslosen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen.
- Regionale Unterschiede: Offene Stellen und arbeitslose Personen verteilen sich räumlich sehr ungleich. In wirtschaftsstarken Regionen wie Bayern, Baden-Württemberg oder Teilen Nordrhein-Westfalens fehlen Fachkräfte im Bau, im Handwerk oder in technischen Berufen. In strukturschwächeren Regionen, zum Beispiel in Teilen Ostdeutschlands oder im Ruhrgebiet, ist die Arbeitslosigkeit dagegen deutlich höher. Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen für 2026 eine leicht unterschiedliche Entwicklung zwischen Ost- und Westdeutschland. Diese regionalen Unterschiede erschweren die Zusammenführung von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zusätzlich.
- Arbeitsbedingungen und Vergütung: In einigen Branchen erschweren zudem Arbeitsbedingungen, Vergütungsstrukturen oder Arbeitszeiten die Besetzung offener Stellen. Besonders deutlich zeigt sich das im Pflege- und Gesundheitswesen, wo hohe Belastung, Schichtarbeit und Personalmangel viele Beschäftigte langfristig abschrecken. Auch im Bau und im Handwerk führen körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten sowie teilweise unregelmäßige Arbeitszeiten zu langen Vakanzzeiten. In einzelnen IT-Bereichen wiederum konkurrieren Unternehmen um qualifizierte Fachkräfte, die zwischen verschiedenen Arbeitgebenden wählen können.
Wie könnten sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren fortsetzen? Aktuelle IAB-Prognosen und OECD-Informationen geben Hinweise für die Zukunft von Deutschland.