So baust du dir online ein berufliches Netzwerk auf und nutzt es für die Jobsuche

Networking

Viele Jobvermittlungen kommen über persönliche Kontakte zustande. Aber was, wenn du wegen Corona und Kontaktbeschränkungen gerade nur sehr eingeschränkt neue Kontakte knüpfen oder bestehende pflegen kannst? In diesem Beitrag erfährst du, wie du dir in vier Schritten online ein Netzwerk aufbauen kannst, das dich bei der Jobsuche unterstützt und das dir auch nach der Krise noch wertvolle Dienste leisten wird.

Was bringt dir ein Netzwerk für die Jobsuche?

Gut ein Drittel aller Neueinstellungen kommt über persönliche Kontakte zustande. Zu diesem Ergebnis kam vor wenigen Jahren eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bei kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern lag dieser Wert sogar bei fast 50 Prozent. Auch wenn in der Regel deine fachlichen Qualifikationen, deine Erfahrungen und deine Persönlichkeitskompetenzen den Ausschlag geben werden, ob du die Stelle am Ende tatsächlich bekommst, zeigen diese Zahlen: „Vitamin B“ ist ein sehr guter Türöffner.

Die Vorteile eines beruflichen Netzwerks auf einen Blick:

  • Du erfährst frühzeitig, wo Jobs frei werden, und wirst auf spannende Stellenausschreibungen aufmerksam gemacht.
  • Du erhältst wertvolle Informationen darüber, was bei Unternehmen hinter den Kulissen geschieht.
  • Du wirst schneller zu Vorstellungsgesprächen eingeladen bzw. eingestellt, weil eine Empfehlung die beste Referenz ist.
  • Du bekommst neue Impulse und wirst über Entwicklungen in deinem Fachgebiet auf dem Laufenden gehalten.

In vier Schritten zum beruflichen Netzwerk

So viel vorweg: Du kannst dir auch ein tragfähiges Netzwerk aufbauen, wenn du kein geborener Kommunikator bist oder nicht so gerne im Mittelpunkt stehst. Voraussetzung ist jedoch, dass du eine gewisse Begeisterung für dein berufliches Themengebiet mitbringst, gute Umgangsformen hast und ein paar Tipps beachtest.

Schritt 1: Mache eine Bestandsaufnahme

  • Wen kenne ich schon? Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe alle Kontakte auf, die für dich beruflich relevant sein könnten: Wen kennst du aus deinem Umfeld, mit dem du berufliche Schnittmengen hast? Mit welchen Ex-Kollegen könntest du dich vernetzen? Wen hast du z. B. auf einer Messe kennengelernt, aber danach nie mehr kontaktiert? Tipp: Steuerberater und Versicherungsmakler haben eine ganze Reihe wertvoller Kontakte in ihrem Adressbuch, mit denen sie dich bestimmt gerne zusammenbringen.
  • Wen würde ich gerne kennenlernen? Gibt es Menschen, deren Arbeit du bewunderst, denen du auf Facebook folgst oder deren Blog du liest? Vielleicht einen Mitarbeiter aus dem Unternehmen, bei dem du gerne tätig wärst? Vielleicht kennt sogar jemand, den du kennst, diese Person und kann den Kontakt herstellen. Business-Netzwerke wie XING oder LinkedIn zeigen dir solche Verbindungen an.

Schritt 2: Hol die ersten Kontakte in dein Netzwerk

Du hast jetzt eine ganze Reihe an potenziellen Netzwerkpartnern identifiziert. Wenn du dich bereits online positioniert hast, kannst du diese Personen nun ansprechen. Das kannst du über eine Vielzahl an Kanälen tun, aber die Business-Netzwerke wie XING oder LinkedIn eignen sich besonders gut dafür.

Schreibe diese Personen direkt an und stelle dich kurz vor. Sag ihnen, dass du an einem Austausch interessiert bist, und begründe dein Interesse. Wenn ihr gemeinsame Kontakte habt, erwähne das. Dann kann dich der andere direkt einordnen und wird mit höherer Wahrscheinlichkeit auf deine Anfrage eingehen.

Wichtig: Achte hierbei auf eine Balance aus Vorteilen für beide Seiten, denn Netzwerken soll immer eine Win-win-Situation sein und funktioniert nicht, wenn nur einer etwas vom Austausch hat. Dieser Schritt kostet viele Menschen Überwindung, ist aber wichtig und ganz nebenbei ein Training der eigenen kommunikativen Fähigkeiten. Starte das Gespräch zum Beispiel so: „Sie sind mir aufgefallen, weil … Ich kann mir gut vorstellen, dass wir beide von einem regelmäßigen Austausch profitieren, denn ich … Haben Sie daran Interesse?“

Tipp: Wenn du ein klares Bewerberprofil von dir hast, dient dieses als gute Inspirationsquelle für die Vorteile, die du mit in das gemeinsame Netzwerk bringen kannst. Erzähle von deinen Stärken und zeige auf, warum du ein guter Netzwerkpartner bist.

Schritt 3: Bringe dich aktiv ein

  • Finde Gleichgesinnte: Suche dir XING- und Facebook-Gruppen, Foren oder Blogs, die zu deinen beruflichen Interessen passen. Dort kannst du dich nicht nur über deine Themen auf dem neuesten Stand halten, sondern auch Kontakte aus deiner Branche kennenlernen und netzwerken.
  • Klinke dich in die Kommunikation ein: Wenn du dich am Anfang noch nicht traust, dann starte damit, dass du Beiträge oder Kommentare „likst“. Als Nächstes kannst du Posts, die du gut findest, auf deinen Kanälen teilen. Wenn du dich eingewöhnt hast, klinke dich in Unterhaltungen ein: Kommentiere, stelle Fragen und komm so mit anderen ins Gespräch. Du wirst sehen, dass das einfacher geht, als du denkst.
  • Erstelle selbst Inhalte: Natürlich kannst du auch selbst Inhalte erstellen. Dazu gehören Posts auf Facebook, Blogartikel oder kurze Videos auf YouTube, in denen du dich zu deinem Fachthema äußerst. Gibt es vielleicht ein neues Tool, das du vorstellen willst? Oder eine besondere Technik, die deiner Meinung nach viel mehr Menschen kennen sollten? Du hast unzählige Möglichkeiten. Aber denk daran: Konzentriere dich auf das Thema, zu dem du fachlich etwas beitragen kannst.

Schritt 4: Nutze dein Netzwerk für die Jobsuche

  • Lauere auf deine Chance: Du wirst sehen, dass du auf diese Art und Weise schnell neue, interessante Menschen kennenlernen wirst, mit denen du berufliche Schnittmengen hast. So erweiterst du nach und nach dein Netzwerk und erhöhst damit die Chance, dass sich bald etwas Interessantes ergibt.
  • Informiere dein Netzwerk über deine Jobsuche: Wenn du die ersten Kontakte geknüpft und die ersten Konversationen geführt hast und dein Netzwerk langsam aufblüht, kannst du es darüber informieren, dass du auf Jobsuche bist. Das kannst du in einem Post kommunizieren. Du kannst deine Kontakte aber auch gezielt darauf ansprechen.
  • Suche aktiv nach Jobangeboten: Suche auf einem Business-Netzwerk wie XING nach Stellenausschreibungen. Bist du fündig geworden, checke, wer in diesem Unternehmen arbeitet und ob einer deiner Kontakte diese Personen kennt. Dann kannst du darüber die Verbindung herstellen und dich persönlich empfehlen lassen.

Acht Extra-Tipps für erfolgreiches Netzwerken

Jetzt weißt du, wie du dein Netzwerk auf- und ausbaust. Bevor du gleich loslegst, haben wir noch acht Extra-Tipps für dich, mit denen du ganz sicher erfolgreicher und nachhaltiger netzwerken wirst:

  • Gib immer mehr, als du nimmst.
  • Kommuniziere authentisch und offen, höflich und direkt.
  • Zeige ehrliches Interesse an den Mitgliedern deines Netzwerkes.
  • Melde dich nicht nur, wenn du etwas brauchst.
  • Beteilige dich am Austausch.
  • Sei verbindlich und zuverlässig.
  • Gehe diskret mit Informationen um.
  • Qualität ist wichtiger als Quantität.

Pflege dein Netzwerk und es wird zum Sicherheitsnetz

Ein berufliches Netzwerk ist keine „Erste-Hilfe-Maßnahme“, wenn du dringend einen Job suchst – besonders nicht, wenn du erst mit dem Aufbau anfängst. Wenn du es aber sorgfältig aufbaust und pflegst, kann ein berufliches Netzwerk ein enorm wertvolles Werkzeug für die Jobsuche werden. Wir hoffen, dass dir unsere Tipps dabei helfen, dir ein stabiles Netzwerk anzulegen, das dir auch nach der Krise noch gute Unterstützung bieten wird.

Weitere Beiträge aus der Reihe „Jobsuche während der Krise“:

  • Wie kannst du deine berufliche Geschichte mit Hilfe von Storytelling so erzählen, dass sie in Erinnerung bleibt und du dich damit von deinen Mitbewerbern abhebst?
  • Wie und wo kannst du dich mit deiner Geschichte online positionieren und dich damit für deine Jobsuche in Stellung bringen?

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