Häufiger Arbeitgeberwechsel – problematisch oder sinnvoll?

Mann im Businessanzug laechelt

Früher galten häufige Arbeitgeberwechsel oft als problematisch. Wer häufig wechselte, wurde schnell als wenig teamfähig oder nicht loyal eingestuft. Doch die Arbeitswelt hat sich verändert und damit auch die Bedeutung von Arbeitgeberwechseln. Wie viele Job- und Arbeitgeberwechsel heute zu viel sind und wann ein Wechsel durchaus Vorteile hat, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

 

Fluktuation im Job ist normal

Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir Arbeitgeberwechsel nicht als ungewöhnlich einstufen, denn eine gewisse Fluktuation ist durchaus normal und üblich. In Deutschland liegt die durchschnittliche Fluktuationsrate pro Jahr bei ca. 32,4 Prozent. Circa ein Drittel aller Arbeitsverhältnisse werden also jedes Jahr neu geschlossen oder beendet. Männer wechseln dabei etwas häufiger als Frauen. Zu wechseln ist also üblich und nicht ungewöhnlich. Nur wenn dies zu häufig geschieht, hinterfragen viele Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch sehr genau, warum Wechsel stattfanden. Auch daran ist nichts verwerflich, doch es ist hilfreich, sich als Bewerber auf solche Fragen vorzubereiten.

 

Was spricht gegen häufige Arbeitgeberwechsel?

Warum ist es Arbeitgebern aber so wichtig zu wissen, weshalb häufige Jobwechsel stattgefunden haben? Warum fragen sie danach, bevor sie einen Bewerber einstellen? Dahinter steckt oft die Sorge, dass ein Mitarbeiter, der nie lange bei einem Arbeitgeber geblieben ist, dieses Verhalten auch in Zukunft zeigen wird. Arbeitgeber fragen sich, welche Motive dahinterstecken könnten. Kann sich ein Bewerber möglicherweise schlecht integrieren? Ist er nicht anpassungsfähig? Wenn Mitarbeiter nur kurz im Unternehmen sind, hat dies natürlich auch Folgen für den Arbeitgeber:

  • Häufige Neubesetzungen der Stellen werden nötig.
  • Teamstrukturen werden häufig durchbrochen.
  • Projektteams werden öfter neu zusammengesetzt.
  • Investitionen in Personalentwicklung zahlen sich für das Unternehmen nur kurz aus.

Verständlich also, dass Arbeitgeber nicht die größten Befürworter des häufigen Arbeitgeberwechsels –von Personalern gerne auch als „Jobhopping“ bezeichnet – sind.

 

Wie viele Arbeitgeberwechsel sind in Ordnung?

Dennoch gibt es zwischen Jobhopping und der klassischen Hauskarriere, bei der ein Arbeitnehmer von seiner Ausbildung an bis zum Renteneintritt im gleichen Unternehmen bleibt, weitere Möglichkeiten. In unserer digitalen und globalisierten Welt gelten Arbeitgeberwechsel längst nicht mehr per se als Warnsignal, sondern auch als Hinweis auf erfolgsorientierte Menschen, die beruflich weiterkommen möchten. Wer nicht auf eine Beförderung wartet, sondern seinen beruflichen Erfolg selbst in die Hand nimmt, gilt als zielstrebig und ehrgeizig, was durchaus positiv bewertet wird.

Wer sich alle drei bis fünf Jahre einen neuen Arbeitsplatz sucht, kann dies also tun, ohne bei seiner nächsten Bewerbung gleich Skepsis auf den Plan zu rufen. Im Gegenteil: Es kann sogar beeindrucken, wenn Sie durch Ihre Jobwechsel bereits einige berufliche Aufstiege verzeichnen konnten.

 

Gründe für häufige Jobwechsel

Wenn Sie im Vorstellungsgespräch danach gefragt werden, warum Sie Ihre Stellen und Arbeitgeber häufig gewechselt haben, haben Sie die Chance, dieses Vorgehen positiv zu begründen. Denn hinter häufigen Wechseln stecken oftmals sehr gut nachvollziehbare Gründe. Zum Beispiel diese:

  • Orientierungsphasen: Gerade wenn Sie erst ins Berufsleben starten, befinden Sie sich in einer ersten Orientierungsphase. Hier gilt es auszuprobieren und herauszufinden, wo Ihre Talente liegen und in welchem Arbeitsbereich Sie Ihr Potenzial voll entfalten können. Diese Orientierungsphasen sind am Anfang einer beruflichen Laufbahn völlig normal und durchaus akzeptiert. Begründen Sie häufige Arbeitgeberwechsel damit, werden Sie sicher auf Verständnis stoßen.

 

  • Beruflicher Aufstieg: Auch ein Wechsel, um interessantere oder verantwortungsvollere Aufgaben wahrnehmen zu können, ist nachvollziehbar. Begründen Sie Ihre Jobwechsel damit, dass Sie sich fortlaufend weitergebildet haben und dieses Potenzial auch in einer verantwortungsvollen Stelle nutzen wollten, werden dies die allermeisten Arbeitgeber gut verstehen können.

 

  • Saisonabhängigkeit: In manchen Branchen, beispielsweise im Baugewerbe, ist es gang und gäbe, dass das Arbeitsverhältnis nur eine Saison lang währt. Arbeitgeberwechsel, die damit zusammenhängen, können Sie also leicht erklären (wenn Sie es überhaupt tun müssen).

 

Vorteile Ihres Lebenslaufes betonen

Egal, ob Sie bei einem früheren Arbeitgeber nicht die Karrierechancen bekamen, die Sie sich erhofft hatten, oder aufgrund persönlicher, beispielsweise gesundheitlicher Herausforderungen eine komplette berufliche Neuorientierung hinter sich haben: Wichtig ist, dass Sie die Vorteile Ihres Lebenslaufes betonen.

Wenn Sie gute Argumente dafür haben, warum Ihre Laufbahn aussieht, wie sie aussieht, sind auch Lücken im Lebenslauf und häufige Arbeitgeberwechsel kein Problem mehr. Denn Personaler suchen nicht mehr den perfekten, geradlinigen Lebenslauf, sondern Menschen mit Ecken und Kanten – eben Persönlichkeiten.

Heben Sie beispielsweise hervor, was Ihnen die vergangenen Wechsel gebracht haben und warum Ihr neuer Arbeitgeber davon profitieren kann:

 

  • Größere Expertise: Sind Sie dank der Arbeitgeberwechsel bereits mit vielen verschiedenen Facetten Ihres Fachbereichs in Berührung gekommen? Betonen Sie die Vorteile, die dies hat. Wenn Sie bereits verschiedene Perspektiven kennen, wird es Ihnen leichtfallen, sich bei Ihrem neuen Arbeitgeber einzuarbeiten.

 

  • Verantwortungsbereitschaft: Haben Sie die Jobs gewechselt, um aufzusteigen und mehr Verantwortung zu übernehmen? Auch das ist ein exzellentes Argument, das für Sie spricht. Erklären Sie Ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber, warum Sie gerne Verantwortung übernehmen und wie Sie dies auch in seinem Unternehmen gewinnbringend für beide Seiten tun könnten.

 

  • Gute Vernetzung: Sind Sie durch die häufigen Arbeitgeberwechsel mit interessanten Unternehmerpersönlichkeiten in Kontakt gekommen? Haben Sie Ihr Netzwerk verstärken und ausbauen können? Erzählen Sie Ihrem neuen Arbeitgeber davon. Vielleicht ergibt sich aus Ihren Kontakten eine für ihn interessante Kooperationsmöglichkeit.

 

  • Lernbereitschaft: Die Tatsache, dass Sie nicht seit zwanzig Jahren ein und denselben Job machen, kann auch bedeuten, dass Sie es lieben, Neues zu lernen. Diese Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und die Offenheit, sich neuen Arbeitsabläufen zu öffnen, ist in unserer modernen Arbeitswelt ein großer Gewinn.

 

Arbeitgeberwechsel begründen können

Sie sehen also: Nicht allein die Anzahl Ihrer Arbeitgeberwechsel entscheidet darüber, wie Sie wahrgenommen werden, sondern die Gründe, die hinter diesen Wechseln stecken. Nehmen Sie sich daher die Zeit, um aus jedem stattgefundenen Wechsel das Positive zu ziehen, und nutzen Sie diese Aspekte als gute Argumente, die im nächsten Vorstellungsgespräch klar für Sie sprechen werden.

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